Es gibt Ideen, die entstehen aus einem Businessplan. Und es gibt Ideen, die entstehen abends auf dem Sofa, weil man zum dritten Mal in einer Woche dieselbe App deinstalliert hat.
Gridium gehört eindeutig zur zweiten Sorte.
Der Auslöser: eine App, die keiner mehr pflegt
Angefangen hat es ganz unspektakulär. Ich wollte vier Urlaubsfotos in ein Raster packen, um sie in eine Story zu schieben. Keine Kunst. Kein Anspruch. Vier Bilder, ein Quadrat, fertig.
Also die App geöffnet, die ich dafür jahrelang genutzt hatte — und festgestellt: Die ist tot. Nicht offiziell tot, das macht ja niemand mehr. Sondern auf diese leise Art tot, die man erst merkt, wenn man genauer hinschaut. Letztes Update vor drei Jahren. Kein Dark Mode. Die Story-Formate kennen das aktuelle iPhone-Seitenverhältnis nicht. Beim Export kommt ein Bild raus, das aussieht, als hätte es jemand ausgedruckt, eingescannt und wieder abfotografiert. Alles etwas übertrieben, aber so fühlte ich mich.
Das ist der Moment, in dem man in den App Store geht und denkt: Wird schon eine Alternative geben.
Gab es. Ungefähr vierhundert.
Dann: Werbung, Abo, Upload — bitte alles gleichzeitig
Was danach kam, kennst du vermutlich selbst.
Du lädst eine App, die in den Screenshots aussieht wie ein aufgeräumtes Designtool. Du öffnest sie, und als Erstes fährt ein Paywall-Vorhang hoch: Jahresabo, drei Tage gratis, X-Button irgendwo im oberen Drittel versteckt und ungefähr so groß wie ein Staubkorn. Du tippst dich durch. Dann ein Ad-Banner. Dann ein Video-Ad, wenn du eine Vorlage anfassen willst, die nicht zu den drei kostenlosen gehört.
Und irgendwann, wenn du zwischendurch mal in die Datenschutzangaben schaust, der eigentliche Punkt: Deine Fotos gehen hoch. Auf irgendeinen Server, irgendwo. Für „die Verarbeitung“. Für ein Raster. Für vier Bilder nebeneinander, die mein Telefon seit ungefähr 2011 auch lokal zusammenrechnen könnte.
Ich habe damals ehrlich eine Weile dagesessen und überlegt, ob ich zu empfindlich bin. Ich bin es nicht. Eine Collage ist eine der harmlosesten Bildoperationen, die es gibt. Dafür brauche ich keinen Account, keine Cloud, kein Tracking-SDK und ganz sicher kein Abo für 39,99 € im Jahr.
Die Schnapsidee
Der Satz, mit dem so etwas anfängt, lautet: „Das kann doch nicht so schwer sein.“
Der Satz ist gelogen. Aber er ist ein guter Startpunkt.
Ich habe also an einem Abend Xcode aufgemacht, mit dem festen Vorsatz, mir das „nur mal kurz anzuschauen“. Einfach um zu verstehen, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt, ein Bild in ein Raster zu legen. Aus dem kurzen Anschauen wurde ein Wochenende. Aus dem Wochenende wurden Abende. Aus den Abenden wurde eine App.
Und es war, das muss ich fairerweise sagen, überhaupt nicht schwer. Das Raster war nach zwei Stunden da. Der ganze Rest hat Monate gedauert.
Das Konzept: eine Regel, an die ich mich gehalten habe
Bevor ich ernsthaft angefangen habe, habe ich mir eine einzige Regel aufgeschrieben:
Die Fotos verlassen das Gerät nicht.
Kein Server. Kein Upload. Keine Registrierung. Kein Analytics, das mir erzählt, welche Vorlage du wie lange angeguckt hast. Alles, was Gridium macht, passiert auf deinem iPhone, und wenn du die App schließt, ist nichts irgendwo anders.
Das klingt nach einem Feature. Es ist aber vor allem eine Entscheidung, die einem hinterher viele weitere Entscheidungen abnimmt. Denn sobald diese Regel steht, kannst du ganze Kategorien von Funktionen gar nicht erst bauen — und genau die sind es, die andere Apps so unangenehm machen.
Der Rest war dann Handwerk, und zwar der Teil, über den man beim Start nicht nachdenkt:
- 21 Vorlagen, von 2×2 über Streifen und Mosaike bis zum Einzelbild. Nicht dreihundert. Einundzwanzig, die ich selbst benutzen würde.
- Jedes Foto lässt sich in seiner Kachel zoomen und verschieben. Klingt banal. Ist der eine Punkt, an dem die meisten Collagen-Apps scheitern, weil sie stumpf mittig beschneiden und dir dabei konsequent den Kopf abschneiden.
- Formate, die zu dem passen, wo die Bilder hinsollen: quadratisch, hochkant, Querformat, Instagram Story.
- Hintergrund, Abstände, Eckenradius — die kleinen Schrauben, mit denen aus einem Raster ein Bild wird, das man auch wirklich posten mag.
- Text und Sticker, für alle, die eine Collage nicht nackt lassen wollen.
- Ein echter Dark Mode, richtig schwarz, für OLED.
Und: kostenlos. Ohne Werbung. Ohne Abo. Ohne den Trick, dass die guten Vorlagen hinter einer Bezahlschranke liegen.
Der unglamouröse Teil: Bugfixing
Über diesen Abschnitt schreibt niemand gerne, deshalb kommt er hier ausführlich.
Das Bauen einer App ist der schöne Teil. Der lange Teil ist alles danach. Ein Foto im Hochformat, das in einer Querformat-Kachel landet. Ein Export, der auf dem einen Gerät scharf ist und auf dem anderen einen Tick unscharf. Ein Sticker, der nach dem Drehen an einer anderen Stelle sitzt, als er vorher saß. Speicher, der volläuft, wenn jemand neun 48-Megapixel-Bilder gleichzeitig in ein Raster wirft — was natürlich sofort jemand tut.
Dazu kommt die Erkenntnis, dass „funktioniert bei mir“ ungefähr so viel wert ist wie ein Wetterbericht von gestern. Meine Fotomediathek ist aufgeräumt. Andere Mediatheken sind es nicht. Da liegen Screenshots, Live Photos, Panoramen, Bilder aus WhatsApp mit seltsamen Metadaten. Jedes davon findet zuverlässig eine Annahme, die ich beim Entwickeln getroffen habe, ohne es zu merken.
Ich habe in dieser Phase mehr gelernt als beim eigentlichen Programmieren. Vor allem: Eine App ist nicht fertig, wenn sie funktioniert. Sie ist fertig, wenn sie sich nicht mehr anfühlt, als müsste man vorsichtig mit ihr umgehen.
Warum ich das trotzdem gemacht habe
Es gibt genug Collagen-Apps. Die Welt hat auf meine nicht gewartet, und ich mache mir da keine Illusionen.
Aber ich glaube, es lohnt sich, kleine Werkzeuge zu bauen, die eine Sache ordentlich machen und einen dabei in Ruhe lassen. Nicht jede Software muss ein Geschäftsmodell mit sich herumschleppen, das größer ist als sie selbst. Manchmal reicht es, wenn eine App aufgeht, tut, was sie soll, und wieder verschwindet.
Und ganz nebenbei ist da noch dieser Effekt, den ich unterschätzt hatte: Wenn dich etwas an einem Ding stört, das du jeden Tag benutzt, kannst du es inzwischen einfach ändern. Das ist eigentlich eine ziemlich große Sache.
Gridium gibt es kostenlos im App Store, für iPhone, auf Deutsch und Englisch. Eine Android-Version steht auf der Liste.
Wenn dir etwas fehlt oder etwas kaputt ist: Schreib mir. Genau dafür habe ich das Ding gebaut.

